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Holstein Kaffee

Familienrösterei mit Herz und Hand in 3. Generation

Großvater Johannes Suhren gründete 1931 die Firma „Holsteinische Kaffee-Großrösterei“, erzählt die Enkelin Svenja Thomas. Mit gerade einmal 20 Jahren startete er mit einem Kugelröster im Keller. Vormittags röstete er die Bohnen, und am Nachmittag ging es mit dem Fahrrad auf Verkaufstour durch Neumünster und das Umland. Lief der Verkauf gut, saß auch schon mal eine Fahrkarte mit der Bahn für die Heimreise drin. Nach fünf erfolgreichen Jahren zog das Unternehmen in die Kieler Straße 81. Im Hinterhaus baute Johannes seine Firma über drei Etagen auf, dort wird bis heute der Kaffee geröstet. In der Kriegszeit musste die Produktion auf Kaffeeersatz umgestellt werden und ein Bombentreffer legte den ganzen Betrieb lahm. Nach dem Wiederaufbau 1948 starte die Rösterei erneut, bis Johannes Suhren 1968 in den Ruhestand ging. Für einige Jahre wurde es Still im Hinterhaus, bis 1978 Tochter Frauke mit ihrem Ehemann Ronald Leopold Röse die Rösterei wieder zum Leben erweckte. Die Krise der Textilindustrie brachte den Textilingenieur auf die Idee, das Familiengeschäft erneut zu öffnen.

In einem Altenheim entdeckte er den ehemaligen Röstmeister Jens Jessen. Von dem schon 94-jährigen ließ er sich in die Röstgeheimnisse einweihen. 2006 stieg Tochter und Enkelin Svenja Thomas in das Unternehmen mit ein und übernahm die Geschäftsführung. Unter ihrer Leitung firmierte das Unternehmen um in „Holstein Kaffee Kaffeerösterei Neumünster GmbH“. Ehemann Matthias Thomas ist inzwischen im Nebenberuf ebenfalls Röstmeister und unterstützt seine Frau und den Schwiegervater.

Kaffeerösten ist körperlich anstrengend und erfordert volle Aufmerksamkeit. Zuerst werden die bis 60 Kilo schweren Säcke mit einem Kran, der außen am Gebäude sitzt, bis in das 2. Obergeschoss hochgezogen. Dort steht die große Rösttrommel. Sie wird von Hand gefüllt. Der Röstprozess erfordert viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung. Das Wetter, die aktuelle Luftfeuchtigkeit und die Außentemperatur beeinflussen den Vorgang. Dazu erfordert jede Bohnensorte ein eigenes Röstverfahren. Eine Gasflamme erhitzt die drehende Trommel von unten. Hört der Röstmeister das erste Knacken der Bohnen, geht es ganz schnell. Über ein Schubfach kontrolliert er die Bräunung, bis der richtige Röstgrad erreicht ist. Dann entleert sich der Inhalt zum Kühlen in eine große Pfanne mit Rührwerk. Durch Bodenöffnungen fallen die Bohnen in verschiedene kleine Silos in der Etage tiefer. Hier wird der Kaffee gemahlen oder als ganze Bohne verpackt und versandfertig gemacht. Das Erdgeschoss dient als Lager.

In dem Ehemaligen Kontor und Verkaufsraum zeigt Svenja Thomas, wie sie selber den Kaffee aufbrüht. Mit einem Augenzwinkern verrät sie, dass sie das zu Hause nur an ruhigen Sonntagen selber praktiziert. Sie stellt dazu die Kaffeekanne mit Filter auf eine Haushaltswage. Der Wasserkocher muss das Wasser auf 97 Grad erhitzen. Über den langen, dünnen Ausgießer schüttet Frau Thomas Wasser über den Papierfilter, damit er schon mal Wasser zieht. Danach füllt sie 12 Gramm Kaffeepulver in den Filter. In Kreisbewegung ergießen sich 50 Gramm Wasser über das Pulver. Es bildet sich die Kaffee-Blume mit ihren großen Blasen. Wenn es fast abgeflossen ist, werden weiter 150 Gramm Wasser langsam mit Unterbrechungen nachgegossen. Das reicht für genau zwei Tassen puren Genuss. Alle in der Familie trinken den Kaffee schwarz, um das volle Aroma zu schmecken. In den Urlaub nimmt sie eine italienische Espressokanne mit.

Der Geschmack ändert sich mit der Zubereitung. Ob mit einem Vollautomaten, Kaffeemaschine oder mit der Espressomaschine gebrüht, schmeckt er jedes Mal anders. Entscheidend ist auch die Frische. Deshalb rösten sie den Kaffee immer erst kurz vor der Auslieferung. Neben dem Geschmack legt Svenja Thomas auch großen Wert auf Nachhaltigkeit. Aluminium als Verpackung hat sie verbannt. Die kleinen Gebinde kommen in Papiertüten mit einer dünnen Folie, damit das Aroma erhalten bleibt. Großabnehmer bekommen ihre Lieferungen in Pfandgebinden. Auch die Herkunft ist wichtig. Mit den „Fairen Projektkaffees“ werden Aktionen in den Herkunftsländern unterstützt. Mit dem „Gelehrten Kaffee“ gehen Gelder in den Aufbau von Schulen in Chiapas, Mexiko. Die „Starke“ Bohne unterstützt nicaraguanische Frauen mit kleinen Plantagen.

Holstein Kaffee Familienrösterei mit Herz und Hand in 3. Generation Großvater Johannes Suhren gründete 1931 die Firma „Holsteinische Kaffee-Großrösterei“, erzählt die Enkelin Svenja Thomas.... mehr erfahren »
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Holstein Kaffee

Familienrösterei mit Herz und Hand in 3. Generation

Großvater Johannes Suhren gründete 1931 die Firma „Holsteinische Kaffee-Großrösterei“, erzählt die Enkelin Svenja Thomas. Mit gerade einmal 20 Jahren startete er mit einem Kugelröster im Keller. Vormittags röstete er die Bohnen, und am Nachmittag ging es mit dem Fahrrad auf Verkaufstour durch Neumünster und das Umland. Lief der Verkauf gut, saß auch schon mal eine Fahrkarte mit der Bahn für die Heimreise drin. Nach fünf erfolgreichen Jahren zog das Unternehmen in die Kieler Straße 81. Im Hinterhaus baute Johannes seine Firma über drei Etagen auf, dort wird bis heute der Kaffee geröstet. In der Kriegszeit musste die Produktion auf Kaffeeersatz umgestellt werden und ein Bombentreffer legte den ganzen Betrieb lahm. Nach dem Wiederaufbau 1948 starte die Rösterei erneut, bis Johannes Suhren 1968 in den Ruhestand ging. Für einige Jahre wurde es Still im Hinterhaus, bis 1978 Tochter Frauke mit ihrem Ehemann Ronald Leopold Röse die Rösterei wieder zum Leben erweckte. Die Krise der Textilindustrie brachte den Textilingenieur auf die Idee, das Familiengeschäft erneut zu öffnen.

In einem Altenheim entdeckte er den ehemaligen Röstmeister Jens Jessen. Von dem schon 94-jährigen ließ er sich in die Röstgeheimnisse einweihen. 2006 stieg Tochter und Enkelin Svenja Thomas in das Unternehmen mit ein und übernahm die Geschäftsführung. Unter ihrer Leitung firmierte das Unternehmen um in „Holstein Kaffee Kaffeerösterei Neumünster GmbH“. Ehemann Matthias Thomas ist inzwischen im Nebenberuf ebenfalls Röstmeister und unterstützt seine Frau und den Schwiegervater.

Kaffeerösten ist körperlich anstrengend und erfordert volle Aufmerksamkeit. Zuerst werden die bis 60 Kilo schweren Säcke mit einem Kran, der außen am Gebäude sitzt, bis in das 2. Obergeschoss hochgezogen. Dort steht die große Rösttrommel. Sie wird von Hand gefüllt. Der Röstprozess erfordert viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung. Das Wetter, die aktuelle Luftfeuchtigkeit und die Außentemperatur beeinflussen den Vorgang. Dazu erfordert jede Bohnensorte ein eigenes Röstverfahren. Eine Gasflamme erhitzt die drehende Trommel von unten. Hört der Röstmeister das erste Knacken der Bohnen, geht es ganz schnell. Über ein Schubfach kontrolliert er die Bräunung, bis der richtige Röstgrad erreicht ist. Dann entleert sich der Inhalt zum Kühlen in eine große Pfanne mit Rührwerk. Durch Bodenöffnungen fallen die Bohnen in verschiedene kleine Silos in der Etage tiefer. Hier wird der Kaffee gemahlen oder als ganze Bohne verpackt und versandfertig gemacht. Das Erdgeschoss dient als Lager.

In dem Ehemaligen Kontor und Verkaufsraum zeigt Svenja Thomas, wie sie selber den Kaffee aufbrüht. Mit einem Augenzwinkern verrät sie, dass sie das zu Hause nur an ruhigen Sonntagen selber praktiziert. Sie stellt dazu die Kaffeekanne mit Filter auf eine Haushaltswage. Der Wasserkocher muss das Wasser auf 97 Grad erhitzen. Über den langen, dünnen Ausgießer schüttet Frau Thomas Wasser über den Papierfilter, damit er schon mal Wasser zieht. Danach füllt sie 12 Gramm Kaffeepulver in den Filter. In Kreisbewegung ergießen sich 50 Gramm Wasser über das Pulver. Es bildet sich die Kaffee-Blume mit ihren großen Blasen. Wenn es fast abgeflossen ist, werden weiter 150 Gramm Wasser langsam mit Unterbrechungen nachgegossen. Das reicht für genau zwei Tassen puren Genuss. Alle in der Familie trinken den Kaffee schwarz, um das volle Aroma zu schmecken. In den Urlaub nimmt sie eine italienische Espressokanne mit.

Der Geschmack ändert sich mit der Zubereitung. Ob mit einem Vollautomaten, Kaffeemaschine oder mit der Espressomaschine gebrüht, schmeckt er jedes Mal anders. Entscheidend ist auch die Frische. Deshalb rösten sie den Kaffee immer erst kurz vor der Auslieferung. Neben dem Geschmack legt Svenja Thomas auch großen Wert auf Nachhaltigkeit. Aluminium als Verpackung hat sie verbannt. Die kleinen Gebinde kommen in Papiertüten mit einer dünnen Folie, damit das Aroma erhalten bleibt. Großabnehmer bekommen ihre Lieferungen in Pfandgebinden. Auch die Herkunft ist wichtig. Mit den „Fairen Projektkaffees“ werden Aktionen in den Herkunftsländern unterstützt. Mit dem „Gelehrten Kaffee“ gehen Gelder in den Aufbau von Schulen in Chiapas, Mexiko. Die „Starke“ Bohne unterstützt nicaraguanische Frauen mit kleinen Plantagen.